Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise ist längst auch beim deutschen Mittelstand angekommen – Förderbanken stehen bereit, um die erheblichen Auswirkungen zu begrenzen.
Bad Homburg, 1 März 2010
(veröffentlicht im Handelsblatt am 4. März 2010)
Die Folgen der Krise für Unternehmen quer durch sämtliche Branchen sind hinlänglich bekannt: Die rückläufige Auftragslage ließ Umsätze und Gewinne einbrechen, das Eigenkapital schrumpfte zusammen. Gleichzeitig haben die meisten Bankinstitute selbst mit den Folgen der Krise zu kämpfen. Neue Ratingbewertungen, verschärfte Eigenkapitalanforderungen und strengere interne Regeln bei der Vergabe von Krediten haben die Banken zurückhaltender werden lassen. Daher fallen die privaten Bankhäuser der in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen oftmals als Kreditgeber aus. Der Mittelstand befindet sich daher noch in einem ständigen Teufelskreis aus ausbleibendem Fremdkapital, schrumpfenden Eigenkapital, einhergehendem Gewinneinbußen und sich daraus ergebender rückläufiger Kreditwürdigkeit.
In die Bresche springen die Förderbanken. Deren, in der Vergangenheit erworbenes und eher behäbiges Image kann sich in der Krise jedoch nicht bewahrheiten. Denn im Gegensatz zum Großteil des übrigen Bankensektors zahlte sich die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Geschäftspolitik der Förderbanken aus, sodass sie auch zukünftig gut aufgestellt sind. Sie haben in der Krise die wichtige Rolle eines Fallschirms für Unternehmen übernommen und damit ihre Bedeutung in Deutschlands Finanzwelt signifikant gesteigert. Durch die Vergabe von Darlehen zu günstigen Konditionen konnten sie den jeweiligen Hausbanken bei der Sicherstellung der Liquidität der Unternehmen maßgeblich unterstützen. Laut KfW vergab die Bankengruppe 50,9 Mrd. Euro an Fördergeldern allein im Jahr 2009 – seit ihrer Gründung der höchste Förderbetrag in Deutschland. Um Existenzgründern den Weg in die Selbständigkeit zu ebnen wurden beispielsweise durch die NRW.Bank Mikrodarlehen zwischen 5.000 und 25.000 Euro vergeben. Diese Maßnahme ließ nahezu 400 neue Arbeitsplätze entstehen.
Die Vergabe solcher Kleinstkredite seitens der Förderbanken an kleine und mittelständische Unternehmen offenbart die Rückkehr zu den Wurzeln des Bankwesens. Sie genießen daher auch, im Gegensatz zu den privaten Bankhäusern, weiterhin großes Vertrauen unter den kleinen und mittelständischen Unternehmen. Das Ansehen der Förderbanken ist deswegen nicht nur auf Unternehmerseite gestiegen. Auch bei den angestellten Bankern rücken die Förderbanken mehr und mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit. Denn durch die, auch in der Krise, stetige und stabile Performance sowie die Positionierung als nachhaltig ausgerichtete Kreditinstitute entdecken engagierte Banker die Förderbanken als attraktive Arbeitgeber für sich. Dort werden die Basis-
Finanzdienstleistungen weiterhin angeboten, die private Banken für viele Unternehmen nicht mehr ausreichend erfüllen. Attraktiv ist für Banker dabei vor allem die Dynamik ihrer Tätigkeit und, dass sie die Auswirkung ihrer Beratung unmittelbar bei ihren Kunden sehen und spüren. Die von den Banken konzipierten Programme zur Unternehmensförderung haben außerdem eine große Auswirkung auf volkswirtschaftliche Entwicklungen. Die Steuerung solcher Instrumente bietet für viele Banker spannende Aufgabengebiete.
Sie bieten damit gerade Bankern, die wieder mehr inhaltsbezogen in ihrem Metier arbeiten wollen, ein ansprechendes Arbeitsumfeld. Die Förderbanken müssen daher diese neu gewonnene Attraktivität nutzen, um Talente aus dem Finanz- und Bankenmarkt für sich zu gewinnen. Somit können Förderbanken eine attraktive Alternative zum Modell der oft auf kurzfristige Gewinne orientierten Geldhäuser sein. Förderbanken können dadurch gegebenenfalls zum Beispiel für Geschäftsbanken werden. So bietet sich für die Förderbanken die Chance, sich auf dem Finanzsektor als Arbeitgeber mit erstarkter Reputation und nachhaltigen Zukunftsperspektiven zu positionieren – ein Kriterium, was nicht zuletzt für die Banker selbst bei ihrer Karriereplanung ausschlaggebend ist.