Bad Homburg, 20. Dezember 2007
Nach Einschätzung der internationalen Personalberatung Boyden Global Executive Search schadet die Debatte um die Höhe von Managervergütungen dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Struktur und Höhe der Führungskräftevergütung in deutschen Unternehmen entsprächen den internationalen Standards.
Ein Vorstandsmitglied eines Dax-Unternehmens verdient durchschnittlich etwa zwei Millionen Euro p.a., sein CEO erhält rund das Doppelte zuzüglich möglicher Aktienoptionsprogramme. Im Vergleich erhält der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens je nach Unternehmensgröße ein Jahresgehalt von 250.000 bis 300.000 Euro. Diese Einschätzung basiert auf einer Auswertung von Boyden Global Executive Search, die internationale Vergütungen von Führungskräften aktuell untersucht hat. „Die Vergütungen von Managern deutscher Unternehmen sind weit entfernt von internationalen Spitzenwerten“, sagt Dr. Rolf E. Stokburger, Managing Partner von Boyden Global Executive Search.
Die Gehälter setzen sich in der Regel aus einem Fixum und einem variablen Gehaltsanteil wie Erfolgsprämien oder Aktienoptionen zusammen, die von Größe, Umsatz und Ergebnis- sowie strategischen Unternehmenszielen abhängen. „Erfüllt das Management die Ziele, wird die vereinbarte Vergütung gezahlt. Übertrifft das Management die Erwartungen, wird die Vergütung entsprechend angepasst“, fasst Stokburger zusammen.
Insbesondere weltweit agierende Unternehmen passen sich durch die Internationalisierung der Wirtschaft auch den internationalen Vergütungs-Standards an. Bis vor fünf Jahren lagen die Managervergütungen, vor allem bei börsennotierten Unternehmen, deutlich unter dem Durchschnitt vergleichbarer Industrieländer. „Unterdurchschnittliche Vergütungen haben hier zu Lande langfristig zur Folge, dass die Unternehmen kein qualifiziertes Führungspersonal finden und halten können“, schätzt Stokburger. Da Struktur und Höhe der Vergütung von Unternehmensinhabern bzw. Aufsichtsräten festgelegt werden, verdienten Manager gemäß individuell ausgehandelten Verträgen.
„Die aktuelle Kritik an der Höhe der Managergehälter in Deutschland ist inhaltlich nicht korrekt. Sie schadet dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Deutsche Manager verdienen im internationalen Vergleich entsprechend ihrer Rolle und Verantwortung angemessen. Sie liegen dabei sogar weit hinter den amerikanischen und britischen Kollegen“, macht Stokburger deutlich. „Im Ausland wird der hiesigen Diskussion um die Managerbezüge wenig Verständnis entgegengebracht, so dass in Folge ein Imageverlust für den Standort Deutschland zu befürchten ist“, so Stokburger.
Hält die Debatte an, ist nach Meinung von Boyden mit einer Abwanderung von Managern und Unternehmen aus Deutschland zu rechnen. Stokburger: „Die Diskussion um die Festlegung einer Gehaltsobergrenze ist vor diesem Hintergrund geradezu gefährlich und unrealistisch.“