Von Stefanie Senfter
Markt und Mittelstand, 13.12.2011
Werner Schwab ist Managing Partner bei der Personalberatung Boyden mit Schwerpunkt Industrie. Er gibt einen Überblick über die Personalsuche mittelständischer Unternehmen im Jahr 2011 und erklärt, wo die Herausforderungen im kommenden Jahr liegen werden.
Markt und Mittelstand: Herr Schwab, wie steht es um die Lage im Mittelstand?
Werner Schwab: Derzeit sind die mittelständischen Unternehmen stark verunsichert. Der phänomenale Aufschwung ab 2009 kam sehr überraschend. Doch jetzt sind die politischen Rahmenbedingungen durch das Hin und Her in der Politik schuld daran, dass die Unternehmen nicht an die Dauer des Aufschwungs glauben.
MuM: Was hat das für Auswirkungen auf die Personalstrategie?
Schwab: Die Unternehmen werden vorsichtiger in der Rekrutierung ihrer Führungskräfte. Bis zur Mitte des Jahres gab es in allen Bereichen eine höhere Nachfrage nach Führungskräften der 1.und 2. Führungsebene als noch 2010. Die Unternehmen mussten ihre Strukturen an das Wachstum anpassen, besonders Positionen in neuen Fertigungsstandorte wurden besetzt, deshalb war der Bedarf nach Führungskräften groß.
MuM: Zieht sich der Mittelstand seine Führungskräfte nicht lieber selbst?
Schwab: Ja, das ist die bevorzugte Variante, aber durch das schnelle Wachstum 2011 mussten sehr schnell neue Führungskräfte gefunden werden.
MuM: Was ändert sich jetzt mit wachsender Verunsicherung?
Schwab: Der Mittelstand ist gehemmt und stellt nur die Mitarbeiter ein, die unbedingt gebraucht werden. Der Mut zu Neueinstellungen fehlt. Für 2012 rechnen wir damit, dass die Investitionen in mittelständischen Unternehmen gehemmter verlaufen. Die Mitarbeiterbindung steht im Vordergrund, denn die Unternehmen wollen das Stammpersonal halten. Gleichzeitig werden die Einstellungsvoraussetzungen für Führungskräfte weiter steigen, weil die Betriebe weniger Kompromisse eingehen wollen als zu Zeit des sicheren Aufschwungs.
MuM: Das heißt die Personalsuche wird noch schwieriger. Wie finden mittelständische Unternehmen dennoch das passende Personal?
Schwab: Sie müssen die Vorteile des Mittelstand stärker kommunizieren: schnellere Entscheidungswege, größere Verantwortungsbereiche, schnellerer Aufstieg. Das heißt, dass Mittelständler ihre Personalauswahl weiter professionalisieren müssen. Wir empfehlen intensive, persönliche Gespräche mit dem Bewerber, in dem geklärt wird, worauf er Wert legt, um ein Umfeld zu finden,dass seinen fachlichen und persönlichen Vorstellungen entspricht. Dabei können Unternehmen am besten herausfinden, ob er die „Mittelstandsgene“ hat und diese herausarbeiten.